Nach-KLANG

Unter diesem Wort teilen jeden Monat Frauen und Männer, die Leitungsverantwortung bei Regens Wagner haben, ihre Gedanken, Empfindungen und Erfahrungen, die ein Ausspruch von Regens Johann Evangelist Wagner und Schwester Theresia Haselmayr in ihnen ganz persönlich zum Klingen gebracht hat, mit allen Interessierten. Gleichzeitig sind Sie als Leserinnen und Leser eingeladen, sich Ihren eigenen Reim auf diese Worte zu machen.

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Impuls September 2021:

Nach-KLANG von Matthias Kandziora (stv. Gesamtleitung Regens Wagner Dillingen)

Was hat sich Johann E. Wagner denn nur bei diesem Ausspruch gedacht?  Etliche Dinge fallen mir ein, die Wortklauberei und Interpretation beginnt.

Dass geschliffene Edelsteine nicht zu verachten sind, leuchtet sofort ein. Durch diese wird Frau und Mann reich, bekommt Ansehen, schmückt sich mit diesen. Jetzt sind unsere Edelsteine in dem Zitat jedoch nicht geschliffen – aber Edelsteine sind es, immerhin. Bezogen auf uns Menschen, auf all die Menschen, die wir bei Regens Wagner gemeinsam begleiten und die hier arbeiten, finde ich für mich einen sehr ansprechenden Vergleich zu dem Ungeschliffenen.

Wir alle haben Ecken und Kanten. Sind vielleicht sogar schon an der ein oder anderen Stelle ramponiert, aber eben auch (noch?) nicht geschliffen. Dies alles jeden Tag aufs Neue zu akzeptieren, sich mit dieser Wahrheit zu arrangieren, motiviert mich, wenn ich dieses Zitat lese. Zu Verachten ist nichts und niemand. Sich darauf im Alltag zu besinnen, ist manchmal herausfordernd. Jedoch die blitzenden Stellen im Ungeschliffenen zu erkennen, ist manchmal schöner, als vielleicht von zu viel Glanz eines auf Hochglanz geschliffenen Edelsteins geblendet zu werden.

Genau hinschauen und das Positive sehen – ich meine, das hat sich Regens Wagner dabei gedacht.

Impuls August 2021:

Nach-KLANG von Christian Konrad (Gesamtleitung Regens Wagner Lautrach):

Diese Worte von Johann Evangelist Wagner können, in die heutige Zeit übertragen, wie so viele andere Aussagen unseres Gründervaters auch, kaum zutreffender sein! 

Die Sonne oder auch im weiteren Sinne - das Positive - ist immer da. Auf das können wir uns verlassen!

Sie verschwindet nicht einfach. Aber ja, Wolken können uns zwischenzeitlich den Blick verhüllen, Sorgen und Ereignisse uns die Sicht „versperren“.

Die Corona Pandemie ist vielleicht ein gutes Beispiel in diesem Zusammenhang. Trotz aller Widrigkeiten und Einschränkungen besinnen wir uns in der Krise endlich wieder einmal auf Grundlegendes, erkennen wir was wirklich wichtig ist, sehen, hören und erspüren die Natur neu.

Wir rücken in der Familie und am Arbeitsplatz, trotz so mancher Gebote, enger zusammen. Wir schätzen und vermissen auf einmal das, was so selbstverständlich war und erst wieder werden muss. Vielleicht müssen bestimmte Dinge auch nicht mehr werden  - muss der Mensch alles können?

Und dennoch erfreuen wir uns immer an deiner Sonne, auch auf das „Danach“, ohne Schleier …

Impuls Juli 2021:

Nach-KLANG I von Heike Klier (Gesamtleitung Regens Wagner Zell):

Kirche, Religion, Glaube - auf dem Hintergrund der Missbrauchsfälle, Finanzaffären, Diskussionen um die Rolle der Laien und Frauen wenden sich immer mehr Menschen von den Kirchen ab, finden keinen Halt und keine Orientierung mehr im Glauben. Auch die Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen, Probleme und Ängste lassen viele an der Existenz Gottes zweifeln.

Gott scheint sich nicht um unsere Probleme zu kümmern! Sind Gott meine Anliegen egal? Müsste ich ein besseres Leben führen, damit Gott meine Gebete erhört?

Hilfe, ich verstehe Gott nicht! Wenn Gott nicht wie erwartet handelt, unsere Wünsche und Anliegen nicht erfüllt, sind wir enttäuscht, stellen seine Liebe und Existenz in Frage.

Aber können wir Gott jemals verstehen? Johann Ev. Wagner hat Gott auch „nicht mit dem Verstand, sondern in der Liebe … gefunden.“

 „Wer Gott im Herzen trägt, der hat nicht weit zu ihm“ bedeutet für uns, sich von christlichen Werten wie Nächstenliebe, Hoffnung, Toleranz, Barmherzigkeit, Ehrfurcht vor dem Leben im privaten und beruflichen Alltag getragen zu fühlen. Diese Werte finden sich auch im Leitbild von Regens Wagner. In der Begleitung der Klientinnen und Klienten, im täglichen Miteinander und in Begegnungen erfahren und spüren wir Toleranz und Offenheit gegenüber Fremdem und Neuem, Achtsamkeit und Wertschätzung gegenüber Klientinnen und Klienten, den Angehörigen und Mitarbeitenden.  

Gott erspart uns nicht Probleme, Enttäuschung, Verlust, Trauer, Krankheit und Leid. Wir dürfen aber gewiss sein: Er ist immer bei uns! Er ist in mir und in Dir!

Nachklang II von Sr. Judith Harrer (Konvent der Dillinger Franziskanerinnen bei Regens Wagner)

Gott ist uns näher als wir uns selber sind.
Der hl. Paulus schreibt in 1Kor.3,16 „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“
Eine Wohnung in mir selber, einfach so geschenkt aus Liebe!
Jederzeit steht sie mir zur Verfügung.
In mir, in meinem Herzen lebt Jesus und wartet auf mich.
Warum suche ich IHN, Gott weiß wo?
Ist das Fernweh nicht oft Heimweh nach diesem Ort der Ruhe?

„All unsere Sehnsucht, ist letztendlich Heimwanderungssehnsucht nach Gott.“
(H. Hesse)

Einkehren, ausruhen, neue Kraft schöpfen, einfach da sein, einfach ich sein - dazu lädt uns Jesus immer wieder ein.
„Kommt alle zu mir, ich werde euch Ruhe verschaffen.“ Mt.11,28

Er ist die Kraftquelle, die mir neues Leben schenkt.
Dieses Lebens-und Liebesangebot brauche ich!
Das brauchst Du!
Das brauchen wir als Dienstgemeinschaft von Regens Wagner.

Singen wir es einander zu:
„Du bist so fern. Du bist so nah. Du bist so anders und doch da. Du bist im Leben. Du bist im Tod. Du bist die Liebe guter Gott.“ GL. Nr. 850

Impuls Juni 2021:

Nach-KLANG von Doris Frohnhöfer und Joachim Gamperling (Gesamtleitung Regens Wagner Absberg):

Der Stein steht bei Johann Evangelist Wagner für etwas, das auf den ersten Blick als unüberwindbares Hindernis erscheint. Die Hindernisse konnten für ihn vielfältig sein. Wurde von der königlichen Administration keine Bewilligung erteilt? Fehlten ihm die finanziellen Möglichkeiten? Wurden seine Projekte von den Obrigkeiten nicht verstanden?

Regens Wagner hielt sich nicht damit auf, sich mit Scheinhindernissen auseinanderzusetzen. Er bewegte sich wie ein Reisender zu Fuß, der den Weg über die Alpen wagt. Die Gesteinsmassen lassen sich nicht zur Seite schieben. Der Reisende Regens Wagner hatte ein Ziel vor Augen, das hinter dem Gebirge von Schwierigkeiten lag. Dort wollte er hin. Mit Bedacht wählte er die geschickteste Route, stieg über das Hindernis hinweg oder umging es. Er ließ das Hindernis allein zurück und ging seinen Weg unbeirrt weiter.

Auch in der Gegenwart sind wir mit Scheinhindernissen konfrontiert. Ausufernde Regulierung, verbunden mit enormem bürokratischen Aufwand bis hin zur öffentlichen Infragestellung von gewachsenen Strukturen der Eingliederungshilfe. Letzten Endes kommt es nur darauf an, sich nicht an Scheinhindernissen abzuarbeiten und das Ziel im Auge zu behalten, Menschen mit Beeinträchtigung eine Lebensperspektive zu geben.

Impuls Mai 2021:

Nach-KLANG von Ines Gürsch (Gesamtleitung von Regens Wagner Glött):

In dem von Regens J. E. Wagner angesprochenen Kampf geht es um das Erkennen des „Guten“. Zu seinen Lebzeiten war die Welt in vielerlei Hinsicht klar eingeteilt. Es gab die „Gläubigen“ und die „Ungläubigen“. Es gab „Reiche“ und „Arme“. Und es gab die „Gesunden“ und die „Kranken“. In der damaligen Welt gab es aber auch die „Schwachsinnigen“, die „Geistesgestörten“ oder die „Krüppel“. Die Sprache von damals zeigt, wie Menschen ohne Behinderungen über Menschen mit Behinderungen dachten.

Dagegen hat Regens J. E. Wagner gemeinsam mit den Dillinger Franziskanerinnen angekämpft und hat Gutes bewirkt.

Heute in Zeiten von Inklusion und UN-Behindertenrechtskonvention ist es nicht immer leicht, für das Gute zu kämpfen. Vor allem dann, wenn Ideale überhöht werden und den Blick auf die Wirklichkeit verstellen. Für das Gute zu kämpfen kann deshalb heute bedeuten, den Blick zu öffnen für die Vielfalt, aufmerksam hinzuhören auf das, was das Gegenüber sagt, und sich selbst stets kritisch zu hinterfragen.