Franziskanische Impulse  

Über Franziskanische Impulse

4. Franziskanischer Impuls, April 2020

HOFFNUNG, die trägt!

Gebet

Höchster glorreicher Gott
Du
lichtvoll über allem
erleuchte
die Finsternis meines Herzens
und schenke mir
einen Glauben
der weiterführt
eine Hoffnung
die durch alles trägt
und eine Liebe
die auf jeden Menschen zugeht
Lass mich spüren
GOTT
wer du bist
und erkennen
welchen Weg du mit mir gehen willst
(Übertragung N. Kuster)

 

Woher es kommt

Dieses Gebet spricht Franziskus vor dem Kreuz von San Damiano. Er findet das Kreuz in einer halb verfallenden Kirche. San Damiano, wunderschön gelegen in zauberhafter Natur, wird durch das Wirken von Franz, von Klara und den Franziskanern durch die Jahrhunderte hindurch zu einem ganz besonderen Ort der Stille, des Gebets und der Gottverbundenheit.  

 

Meditative Gedanken

In der kleinen verfallenen Kirche erkennt der junge Lebemann Franziskus ein Sinnbild für sein eigenes Leben. Zu dieser Zeit sind seine großen Träume vom Erfolg als Ritter zerplatzt. Sein Bild von einem allzeit sorglosen und unbeschwerten Leben ist zerbrochen. Er ist in die Sackgasse geraten und weiß nicht mehr weiter. Die Frage nach dem Sinn von allem treibt ihn zutiefst um, ruhelos fragt er nach dem, was wirklich trägt im Leben, gerade wenn alles auseinanderfällt. Im Anschauen des Kreuzes weitet sich ihm plötzlich das Herz. Er bittet um Glauben, Hoffnung und Liebe. Er bittet nicht um schnelle Antworten oder einfache Lösungen. Weil er ahnt, dass es in diesem Leben um mehr geht. Und dass die Suche einen langen Atem braucht.

In schwierigen Zeiten, wie sie jetzt ganz viele Menschen erleben, brauchen wir vor allem Mut und Hoffnung, dass es gut weitergeht, auch wenn wir den Weg im Voraus nicht kennen. Ich finde es tröstlich, dass das Wort Hoffnung den Aufruf „Hopp!“ enthält und uns daran erinnert, nicht deprimiert sitzen zu bleiben. „Hopp!“, englisch hope, sagt mir: steh auf! Und geh einen Schritt weiter, und sei er noch so klein.  Viele kleine Schritte ergeben auch einen Weg.

Aufstehen – Auferstehen. Wir dürfen Ostern zuversichtlich erwarten mitten in Verunsicherung, Irritation und Angst; Spuren von Herzlichkeit und Leben entdecken in der aufblühenden Natur, in den treuen Gesten liebevoller Mitmenschen, in der Kreativität neuer Möglichkeiten, im Vertrauen, dass Gott alle Wege mit uns geht.

Dabei kann uns wieder neu bewusst werden: Hoffnung, die trägt, meint nie nur einen allein. Sie ist der österliche Atem, der uns als Gemeinschaft durchweht, verbindet und weiterführt.

 

Persönliche Impulse für den Alltag

  • Ich nehme mir Zeit zu spüren, was meine Hoffnungskraft beflügelt (Bewegung, Natur, Dankbarkeit, Kreativität, Schlaf, Schönheit, Gebet …)
  • Ich tue jeden Tag etwas, was die Hoffnung sichtbar weitergibt: einen lieben Menschen anrufen, eine bestärkende Postkarte schreiben, ein Bild schicken, das Hoffnung ausstrahlt, Mutmachsätze verschenken, ein Lied singen, mal die vergessene Gitarre wieder auspacken …
  • Ich lasse bewusst die Dinge weg, die mich runterziehen und mutlos machen
  • Ich entzünde ab und zu meine Osterkerze und bete das Gebet von Franziskus; ich kann es auch einmal in der Wir-Form sprechen

 

3. Franziskanischer Impuls, März 2020

Bruder Wolf!
Tu niemand etwas zuleide!

 


Wort/Geschichte

Bei der Stadt Gubbio trieb sich ein großer wilder Wolf umher. Er fiel auch Menschen an. Die Bewohner lebten in großer Angst. Keiner ging unbewaffnet vor das Stadttor. Franziskus hatte Mitleid mit den Menschen und er beschloss, dem Wolf entgegenzutreten.  Der Wolf rannte mit offenem Rachen auf Franziskus zu, doch der machte das Kreuzzeichen über ihn. Der Wolf hielt inne, er spürte die Kraft, die von dem Heiligen ausging. Franziskus rief: „Komm zu mir, Bruder Wolf! Im Namen Christi befehle ich dir: Tu niemandem etwas zuleide!“ Der Wolf lief herbei und legte sich Franziskus zu Füßen. Franz versprach dem Wolf, dass ihm die Menschen genug zu essen geben würden, damit er niemanden mehr angreifen und verletzen müsse. Als Zeichen für sein Einverständnis legte der Wolf seine Tatze in die Hand von Franziskus. Gemeinsam gingen sie in die Stadt. Der Wolf ging nun jeden Tag von Haus zu Haus und die Menschen gaben ihm zu fressen. Mit seiner Sanftmütigkeit erinnerte er sie an den heiligen Franz von Assisi.


Woher es kommt

Die Kurzfassung dieser Geschichte ist angelehnt an die sogenannten Fioretti, eine Legendensammlung des 14. Jahrhunderts. Die 53 kurzen Kapitel über das Leben des Heiligen sind erst lange nach dessen Tod entstanden. Vor allem im 19. und 20. Jahrhundert war diese Sammlung als Andachtsbuch weit verbreitet und hat ein bestimmtes, eher lieblich sanftes Franziskusbild sehr geprägt.

Meditative Gedanken

In Geschichten und Legenden zeigt sich manchmal tiefe Lebensweisheit. Franziskus begegnet in Form des Wolfs und der bewaffneten Stadtbewohner der tiefsitzenden Angst, die in vielerlei Gestalten in uns Menschen lebt. Angst ist zu allen Zeiten ein großes Thema. Von der Geburt bis zum Tod begleitet sie uns. Es gibt begründete Ängste (bei Krankheit, bei konkreten Bedrohungen), es gibt die oft diffusen Alltagsängste, die das Leben unheimlich belasten können. Dann habe ich Angst vor Dingen, die vielleicht gar nie eintreten oder bei denen ich aus Mücken Elefanten mache. Angst sei ein schlechter Ratgeber, so sagt man. Vielleicht ist sie manchmal auch ein guter Ratgeber? Es kommt darauf an, ob wir sie verstehen und hören, was sie uns sagen will. Angst kann zu Ohnmacht und Lähmung führen oder zu Aggression und Wut. Franziskus geht einen anderen Weg. Er sieht die Angst, stellt sich ihr liebevoll und nimmt sie geschwisterlich an. Bruder Wolf und Schwester Angst sind eins. Die Angst zeigt mir, was ich brauche, was ich nötig habe zum Leben. Wenn ich sie verdränge, kann sie immer machtvoller werden. Durch das Ernstnehmen der Ängste und das mutige Darauf-Eingehen hilft Franziskus beiden Seiten: den ängstlichen Bewohnern und dem hungrigen Wolf. Nur wenn ausreichend gesorgt ist für alle, kann sich die Angst geduldig zähmen und in Lebensmut wandeln lassen.


Persönliche Impulse für den Alltag

  • Gibt es zur Zeit Ängste, die mich beschäftigen? Haben sie einen konkreten Anlass oder sind es eher diffuse Gefühle von Angst, die mich belasten? Ich nehme mir Zeit für die Frage: „Schwester Angst, was hast du mir zu sagen?“ Und gehe mit dieser Frage in einen kurzen Gebetsmoment oder vertraue mich einer verlässlichen Person an …
  • Wer Angst hat, steht in der Gefahr, alles nur noch schwarz zu sehen. Ich übe in dieser Fastenzeit, tägliche „Lichtpunkte“ zu entdecken, Augenblicke des Schönen, Heiteren und Guten, und lasse auch sie gelten neben allem, was vielleicht schwierig ist. Ich notiere sie mir am Ende jedes Tages in einem eigenen „Lichtpunkte-Heft“ …
  • In Gesprächen kann ich mein Zuhör-Ohr besonders dafür schärfen, was mir der andere von seinen Ängsten (oft sehr verdeckt und leise) zeigt. Ich kann diskret und ehrlich nachfragen, mir Zeit nehmen für ein ermutigendes Wort.
  • In welchem Bereich wünsche ich mir gerade so etwas wie ein angstfreies Miteinander?

 

2. Franziskanischer Impuls, Februar 2020

Stoff-Wechsel
Andersreich leben

Wort/Geschichte

Wisset, dass vor dem Angesicht Gottes manche Dinge überaus hoch und erhaben sind, die bisweilen unter den Menschen für niedrig und wertlos angesehen werden. Und andere Dinge sind unter den Menschen wertvoll und ansehnlich, die vor Gott als ganz niedrig und als wertlos gelten.
(Br. Kust II, 2 f.)

Woher es kommt

Ich finde es erstaunlich, dass wir Heutigen noch Briefe lesen können, die der hl. Franz von Assisi im 13. Jahrhundert geschrieben hat. Soviel Zeit liegt zwischen den Jahrhunderten, die Sprache hat sich verändert, aber die Worte von Franz drücken etwas aus, was auch wir heute nachvollziehen können. Die oben zitierte Weisheit richtet Franziskus an die Oberen seiner Gemeinschaft. Mit Briefen hat Franziskus seine Mitbrüder daran erinnert, die wirklich wichtigen Dinge nicht aus dem Auge zu verlieren.

Meditative Gedanken

Franziskus ist ein Mann der Kontraste. Als verwöhnter Tuchhändlersohn wächst er auf mit kostbaren Stoffen. Brokat, Seide, Samt und Damast stehen für hohen Lebensstandard. All das erlebt er zunehmend als oberflächlich, äußerlich, eine Scheinwelt, die sich drückt vor der Realität. Ein Luxus, der viel Leere überspielt. Der protzt und den persönlichen Egoismus bedient. Kleider machen Leute. Franziskus fragt: wer bin ich wirklich, auch ohne den Reichtum? Wer bin ich in den Augen Gottes? Er tauscht sein Gewand in ein einfaches braunes Bauerngewand. Radikaler Stoff-Wechsel. Hin zu den Armen, den Habenichtsen, weil er bei ihnen den armen Christus entdeckt, den er sucht und liebt. Er entdeckt einen neuen, anderen Reichtum: echte Freude, herzliche Solidarität, zärtliche Demut, wachsende Freiheit. Auch heute spüren nachdenkliche und wache Menschen: unsere Welt leidet. Sie wird übernutzt und ausgebeutet. Es gibt mehr Schein als Sein. Der Mitmensch gerät unter die Räder. Es braucht einen anderen Lebensstil: Einfachheit, Fürsorge, Schöpfungsliebe, Sorgfalt im Umgang mit den begrenzten Ressourcen. Schon allein aus Vernunft. Und tiefer gelegt: weil Gott sich mit dieser so gefährdeten Welt eingelassen hat und sie liebt.

Persönliche Impulse für den Alltag

  • Ich kann für einen Tag ganz bewusst wahrnehmen, mit welch unterschiedlichen Stoffen ich es zu tun habe; ich spüre sie mit meinen Händen, auf meiner Haut und nehme dankbar den Schutz und die bunte Vielfalt wahr.
  • Mein persönlicher „Stoff-Wechsel“: ich überlege, in welchem Bereich ich meinen Lebensstil konkret vereinfachen kann, um wesentlicher zu werden … (weniger Hetze, weniger Smalltalk, weniger Ablenkung, weniger Smartphone, weniger Kaufen…)
  • Ich notiere mir auf einer Liste an einem mir sichtbaren Platz alles, was mir persönlich wirklich wichtig und wertvoll ist; was (oft unscheinbar und leise) mein Leben reich macht, auch wenn es möglicherweise nicht im Mainstream der Zeit liegt. Ich spüre der Dankbarkeit in mir nach …
  • Ich achte auf Menschen meiner nahen Umgebung, mit denen ich teilen kann: Zeit, Spaß, Wärme, echtes Interesse, Dinge, Geschichten des Lebens …

 

1. Franziskanischer Impuls, Januar 2020

 

Wort/Geschichte

Pace e bene – Friede und Heil - pax et bonum

Woher es kommt

Der hl. Franz von Assisi ist bekannt dafür, dass ihm dieser Gruß besonders wichtig war. In seiner Ordensregel, aber auch in verschiedenen Briefen und in seinem Testament am Ende seines Lebens taucht immer wieder der Wunsch auf: Friede diesem Haus! Der Herr gebe dir Frieden! Er fordert auch seine Mitbrüder auf, den Menschen, egal wer es ist, mit diesem Wohlwollen zu begegnen und ihnen von Herzen Gutes zu wünschen.

Meditative Gedanken

Es ist beeindruckend zu sehen, dass in zwei kleinen Worten ein ganzes Lebensprogramm steckt. Wir erfahren und spüren auch heute, dass in unserer Welt nichts so sehr gebraucht wird wie Friede und Versöhnung. Es gibt soviel Unterschiedlichkeit zwischen den Menschen, soviel Streit, Hass und Gewalt. Wer am lautesten schreit, findet am meisten Gehör. Das Gute ist oft leise und geht unter. Es scheint nicht besonders reizvoll zu sein. Aber Gutes wünschen, und dafür Worte finden – das genügt oft schon, damit der Friede beginnen kann.

Friede wächst, wo wir einander gelten lassen, uns füreinander interessieren, uns gegenseitig Gutes gönnen. Unser Zusammensein fühlt sich anders an, wenn eine Atmosphäre der Offenheit, der Großzügigkeit und der Geduld da ist – in der Familie, in der Wohngruppe, im beruflichen Umfeld, in der Pfarrei, in der Stadt, im Netz … In so einer Umgebung kann ich auch nachvollziehen, was Heilsein bedeutet: mich wohlfühlen, Vertrauen spüren, frei atmen können mit Leib und Seele, gesund sein dürfen. So wächst der Friede auch im eigenen Herzen.

Persönliche Impulse für den Alltag

  • Ich kann mir diesen Gruß für diesen Monat besonders zu Herzen nehmen. Ihn immer mal wieder mir selbst zusprechen oder ihn als geschriebenes Wort an einer passenden Stelle in meiner Wohnung, in meinem Büro aufstellen.

  • Wenn ich unterwegs bin und Menschen begegne, kann ich ihnen, entweder still oder auch laut, mit meinen Worten Friede und Heil wünschen.

  • Ich achte in diesen Wochen darauf, wo ich Gutes erlebe – und „verdopple“ es, indem ich anderen davon erzähle.

  • Vielleicht gibt es gerade Personen, um die ich mich besonders sorge: für sie kann ich in meinem Herzen ein kleines Stoßgebet sprechen: Friede und Heil! Und ihnen meine Mitsorge durch eine kleine Geste zeigen.

 

·         Gebet

Höchster glorreicher Gott

Du

lichtvoll über allem

erleuchte

die Finsternis meines Herzens

und schenke mir

einen Glauben

der weiterführt

eine Hoffnung

die durch alles trägt

und eine Liebe

die auf jeden Menschen zugeht

Lass mich spüren

GOTT

wer du bist

und erkennen

welchen Weg du mit mir gehen willst (Übertragung N. Kuster)

·         Woher es kommt

Dieses Gebet spricht Franziskus vor dem Kreuz von San Damiano. Er findet das Kreuz in einer halb verfallenden Kirche. San Damiano, wunderschön gelegen in zauberhafter Natur, wird durch das Wirken von Franz, von Klara und den Franziskanern durch die Jahrhunderte hindurch zu einem ganz besonderen Ort der Stille, des Gebets und der Gottverbundenheit.  

·         Meditative Gedanken

In der kleinen verfallenen Kirche erkennt der junge Lebemann Franziskus ein Sinnbild für sein eigenes Leben. Zu dieser Zeit sind seine großen Träume vom Erfolg als Ritter zerplatzt. Sein Bild von einem allzeit sorglosen und unbeschwerten Leben ist zerbrochen. Er ist in die Sackgasse geraten und weiß nicht mehr weiter. Die Frage nach dem Sinn von allem treibt ihn zutiefst um, ruhelos fragt er nach dem, was wirklich trägt im Leben, gerade wenn alles auseinanderfällt. Im Anschauen des Kreuzes weitet sich ihm plötzlich das Herz. Er bittet um Glauben, Hoffnung und Liebe. Er bittet nicht um schnelle Antworten oder einfache Lösungen. Weil er ahnt, dass es in diesem Leben um mehr geht. Und dass die Suche einen langen Atem braucht.

In schwierigen Zeiten, wie sie jetzt ganz viele Menschen erleben, brauchen wir vor allem Mut und Hoffnung, dass es gut weitergeht, auch wenn wir den Weg im Voraus nicht kennen. Ich finde es tröstlich, dass das Wort Hoffnung den Aufruf „Hopp!“ enthält und uns daran erinnert, nicht deprimiert sitzen zu bleiben. „Hopp!“, englisch hope, sagt mir: steh auf! Und geh einen Schritt weiter, und sei er noch so klein.  Viele kleine Schritte ergeben auch einen Weg.

Aufstehen – Auferstehen. Wir dürfen Ostern zuversichtlich erwarten mitten in Verunsicherung, Irritation und Angst; Spuren von Herzlichkeit und Leben entdecken in der aufblühenden Natur, in den treuen Gesten liebevoller Mitmenschen, in der Kreativität neuer Möglichkeiten, im Vertrauen, dass Gott alle Wege mit uns geht.

Dabei kann uns wieder neu bewusst werden: Hoffnung, die trägt, meint nie nur einen allein. Sie ist der österliche Atem, der uns als Gemeinschaft durchweht, verbindet und weiterführt.

·         Persönliche Impulse für den Alltag

+ Ich nehme mir Zeit zu spüren, was meine Hoffnungskraft beflügelt (Bewegung, Natur, Dankbarkeit, Kreativität, Schlaf, Schönheit, Gebet …)

+ Ich tue jeden Tag etwas, was die Hoffnung sichtbar weitergibt: einen lieben Menschen anrufen, eine bestärkende Postkarte schreiben, ein Bild schicken, das Hoffnung ausstrahlt, Mutmachsätze verschenken, ein Lied singen, mal die vergessene Gitarre wieder auspacken …

+ Ich lasse bewusst die Dinge weg, die mich runterziehen und mutlos machen

+ Ich entzünde ab und zu meine Osterkerze und bete das Gebet von Franziskus; ich kann es auch einmal in der Wir-Form sprechen